24-Stunden-Messungen zeigen, wie wichtig ein fester Rhythmus für Wiederkäuen, Wachstum und Gesundheit ist.

Um Einblick in das Verhalten von Kälbern zu erhalten, führte Topcalf 24-Stunden-Messungen durch. Aktivität, Wiederkauverhalten, Futteraufnahme und Ruhe wurden Tag und Nacht überwacht. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Kälber leben nach einem festen Tag-Nacht-Rhythmus. Dieser Rhythmus hat einen direkten Einfluss auf die Pansenentwicklung, die Futterverwertung und das Wachstum.
Der Tag-Nacht-Rhythmus der Kälber im Überblick
Die Messungen zeigen ein logisches, aber wichtiges Muster. Tagsüber sind Kälber aktiver. Sie stehen häufiger auf, gehen zum Futtertisch und reagieren deutlich auf feste Fütterungszeiten. Rund um diese Zeitpunkte entstehen sichtbare Spitzen in Aktivität und Futteraufnahme.
Wenn der Abend einsetzt, verändert sich das Bild. Die Kälber liegen länger und gleichzeitig steigt die Wiederkauaktivität. Das Futter, das tagsüber aufgenommen wurde, wird in der Nacht verarbeitet. Der natürliche Rhythmus der Kälber wird hier deutlich sichtbar, siehe Abbildung 1.

Abbildung 1: Wiederkauaktivität im Verhältnis zu Futterbesuchen im Tagesverlauf. Die Fütterungen um 07:00 Uhr und 16:30 Uhr führen zu deutlichen Spitzen bei den Futterbesuchen. In der darauffolgenden Phase steigt die Wiederkauaktivität, was auf eine aktive Pansenverarbeitung zwischen den Fütterungen hinweist.
Wie unterstützt das Wiederkäuen die Pansenentwicklung?
Wiederkäuen ist wichtig für einen gut funktionierenden Pansen. Wenn ein Kalb (oder eine Kuh) wiederkäut, produziert es Speichel. Dieser Speichel hilft, den Pansen stabil zu halten und einer Übersäuerung vorzubeugen. So wird das aufgenommene Futter optimal verwertet und die Pansenentwicklung unterstützt.
Nach der letzten Fütterung nimmt die Wiederkauaktivität deutlich zu. Die nächtliche Ruhe unterstützt somit direkt das Wachstum des Kalbes. Wer diese Ruhe stört, beeinflusst auch die Verarbeitung des Futters.
Feste Fütterungszeiten bestimmen den Rhythmus der Kälber
Die Messungen zeigen, wie stark Kälber auf feste Fütterungszeiten reagieren. Sobald es Zeit zum Füttern ist, kommen sie in Bewegung. Sie stehen auf, gehen zum Futtertisch und werden aktiver. Genau das lässt sich auch im Stall beobachten.
Nach dem Fressen folgt meist eine ruhige Phase. Die Kälber legen sich hin und beginnen zu wiederkäuen. Zuerst fressen, danach verarbeiten — das ist der natürliche Tagesrhythmus der Kälber.
Damit wird deutlich, dass Sie mit festen Fütterungszeiten den Rhythmus der Kälber steuern. Wenn die Zeiten täglich wechseln, kommt es häufiger zu Unruhe in der Gruppe. Die Kälber stehen öfter auf, ruhen kürzer und wiederkäuen weniger regelmäßig. Ein fester Rhythmus sorgt für Ruhe und Stabilität im Stall.
Praxiserfahrung bestätigt: Abweichungen vom Rhythmus verursachen Stress
Adriaan Beulens, Tierarzt beim Tierärztlichen Zentrum Midden Salland, betont die Bedeutung von Vorhersehbarkeit für junge Kälber.
„Ein Kalb lebt von Erwartung. Wenn man dauerhaft vom festen Muster abweicht, erlebt das Kalb Stress. Und Stress erhöht das Risiko für Gesundheitsprobleme, darunter auch Durchfall.“
Vor allem auf größeren Milchviehbetrieben, auf denen viele Kälber nacheinander gefüttert werden, spielt dies eine wichtige Rolle. Nicht nur der Zeitpunkt der Fütterung ist entscheidend, sondern auch die Reihenfolge.
Wenn ein Mitarbeiter täglich auf derselben Seite des Stalls beginnt, lernen die Kälber dieses Muster zu erkennen. Sobald sie bekannte Geräusche hören, wissen sie, was sie erwarten können: sofort Milch oder noch kurz warten. Diese Vorhersehbarkeit sorgt für Ruhe.
Wird an einem Tag die Reihenfolge geändert, wird dieses aufgebaute Erwartungsmuster durchbrochen. Kälber, die normalerweise zuerst Milch bekommen, müssen dann plötzlich länger warten. Diese unerwartete Veränderung führt zu Unruhe und erhöht das Stressniveau in der Gruppe — mit einer größeren Wahrscheinlichkeit für Durchfall als Folge.
Konstanz bedeutet daher nicht nur feste Fütterungszeiten, sondern auch feste Routinen und Arbeitsabläufe.
Was bedeutet das für Ihren Betrieb?
Die Erkenntnisse aus den 24-Stunden-Messungen lassen sich direkt in der Praxis anwenden:
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Arbeiten Sie mit festen Fütterungszeiten
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Halten Sie tägliche Routinen so konstant wie möglich
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Begrenzen Sie Störungen während der nächtlichen Ruhephase
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Achten Sie auf eine vorhersehbare Reihenfolge bei der Fütterung
Beobachten Sie abends einmal bewusst das Gruppenverhalten in Ihrem Stall. Liegt ein großer Teil der Kälber gleichzeitig ruhig wiederkäuend? Dann funktioniert der Rhythmus gut. Sehen Sie dagegen viel Unruhe oder verstreute Aktivität, kann es sinnvoll sein, Ihre täglichen Routinen zu überprüfen.