Ist die Kälberaufzucht ein Kostenfaktor? Eine zurückbleibende Färse kostet Sie mehr.

Die Phase vom Kalb zur Färse fühlt sich für viele Betriebe oft wie eine lange, kostenintensive Zeit an, in der noch kein direkter Ertrag zurückkommt. Immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Kälberhaltung dabei eine deutlich größere Rolle spielt als früher angenommen. Es geht längst nicht mehr nur um „einen Platz zum Liegen“, sondern um die entscheidende Frage: Bekommen Kälber hier die Chance, sich zu gesunden, leistungsfähigen und langlebigen Milchkühen zu entwickeln?

Gerade in den ersten Lebenswochen wachsen Kälber am schnellsten und reagieren besonders sensibel auf Fütterung, Haltung und Management. Alles, was in dieser Phase richtig gemacht wird, zahlt sich später aus. In diesem Artikel beleuchten wir vier zentrale Bausteine, auf die die Kälberhaltung einen direkten Einfluss hat: Immunsystem und Gesundheit, Knochen- und Muskelentwicklung, Pansenentwicklung sowie die Anlage des Eutergewebes.

Immunsystem und Gesundheit: Ein Kalb, das sich sicher fühlt, bleibt gesünder

Nach der Biestphase muss das Kalb beginnen, sein eigenes Immunsystem aufzubauen. Genau in dieser Zeit reagiert es besonders empfindlich auf seine Umgebung.
Steht ein Kalb in Zugluft, liegt auf einem nassen Untergrund oder ist an einem unruhigen Platz im Stall untergebracht, entsteht Stress. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone aus, die Immunabwehr wird geschwächt – das Risiko für Durchfall und Atemwegserkrankungen steigt deutlich.

Umgekehrt zeigen Studien, dass Kälber, die auf einem komfortablen Strohbett liegen, Zugang zu frischer Luft haben, trocken und sauber gehalten werden und sozialen Kontakt erleben, deutlich weniger Stress zeigen.
Sie sind wacher, trinken besser, erkranken seltener und sprechen besser auf Impfungen an.

Duo-Haltung oder kleine Gruppen sorgen für zusätzliche Ruhe: Das Kalb ist nicht allein, geht aber auch nicht in einer großen Gruppe unter. Es fühlt sich sicher – und diese Sicherheit spiegelt sich direkt in der Gesundheit und Entwicklung des Jungtieres wider.

Wichtig zu wissen: Die Grundlage für eine leistungsfähige Milchkuh wird bereits in den ersten Lebenswochen gelegt.

Gute Kälberhaltung reduziert Stress – und weniger Stress bedeutet ein stärkeres Immunsystem.

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Knochen- und Muskelentwicklung: Platz zum Spielen fördert ein starkes Fundament

Wer seine Kälber in einer geräumigen Umgebung hält, kennt das Bild: Junge Tiere, die gemeinsam spielen und sich im Stall bewegen. Diese Spielfreude ist nicht nur schön anzusehen, sondern entscheidend für die Entwicklung von Skelett und Muskulatur.
Bewegung sorgt dafür, dass Knochen und Gelenke stärker belastet werden, Muskeln besser wachsen und das Kalb eine gesunde Motorik entwickelt. Dies steht im klaren Gegensatz zur eingeschränkten Bewegungsmöglichkeit in Einzelboxen, in denen das Tier lediglich aufstehen und liegen kann.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kälber in Duo- oder Gruppenhaltung deutlich aktiver sind und rund um das Absetzen häufig besser weiterwachsen. Sie zeigen weniger Wachstumsdepressionen, da sie sich leichter an Veränderungen in Fütterung und Management anpassen. Eine stabile Knochen- und Muskelentwicklung zahlt sich später aus: Färsen, die bereits als Kalb ausreichend Platz hatten, sind oft robuster gebaut, kommen gesünder durch die Aufzucht und starten fitter in ihre erste Laktation.

Pansenentwicklung: Den Motor jetzt richtig einstellen für eine optimale Grobfutterverwertung später

Was ein Kalb in den ersten Lebensmonaten an Kraftfutter, Wasser und Grobfutter aufnimmt, bestimmt maßgeblich, wie effizient es später Grobfutter verwerten kann. Je früher und besser ein Kalb beginnt zu fressen, desto schneller entwickeln sich Pansenwand und Pansenpapillen. Dabei spielt die Haltung eine entscheidende Rolle: In einer Umgebung, in der sich das Kalb wohlfühlt, zeigt es mehr Neugier gegenüber dem Futter. Zudem lernen Kälber in Duo-Haltung oder kleinen Gruppen voneinander – frisst ein Kalb am Futtertisch, folgt das andere häufig ganz von selbst.

Ist das Stallklima nicht optimal, steht das Kalb in Zugluft oder leidet es unter Durchfall oder Husten, sinkt die Futteraufnahme und die Pansenentwicklung bleibt zurück. Energie, die für das Immunsystem benötigt wird, steht dann nicht für Wachstum und Organentwicklung zur Verfügung. Eine komfortable, trockene und ruhige Haltung unterstützt daher indirekt eine optimale Pansenentwicklung. Das Ergebnis: Kälber wachsen auch nach dem Absetzen besser weiter.

Anlage des Eutergewebes: die „Milchfabrik“ der Kuh

Ein weniger sichtbarer, aber mindestens ebenso wichtiger Prozess ist die Entwicklung des Euters bei Färsenkälbern. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Färsenkälber, die in der Jugend mehr Milchdrüsengewebe (Parenchym) ausbilden, später höhere Milchleistungen erzielen.

Der Grund dafür liegt in der Funktion dieses Gewebes als eigentliche „Milchfabrik“:
Je größer und besser entwickelt diese Fabrik ist, desto höher ist die Produktionskapazität der Kuh im späteren Leben.

Diese Abbildung zeigt den Unterschied in der Entwicklung des Milchdrüsengewebes zwischen einem weniger entwickelten Kalb (A) und einem stärker entwickelten Kalb (B). Das hellbraune Gewebe innerhalb der gestrichelten Linie stellt den Anteil des Parenchyms (milchproduzierendes Gewebe) dar. Quelle: https://bonndoc.ulb.uni-bonn.de/xmlui/bitstream/handle/20.500.11811/9676/6563.pdf?sequence=1&isAllowed=y  

Hier wird deutlich, wie alles zusammenkommt: Ein Kalb, das gesund ist, über ein starkes Immunsystem verfügt, aktiv ist und eine gut funktionierende Pansenentwicklung durchläuft, wächst gleichmäßiger und intensiver und bildet dadurch mehr Milchdrüsengewebe aus.

Eine starke Milchkuh, die Leistung bringt und über viele Jahre produktiv bleibt.

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Zweifel an der Kälberhaltung? Wir denken mit Ihnen mit

Viele Milchviehhalter beschäftigen ähnliche Fragen. Eine der häufigsten lautet:
„Führt Gruppenhaltung nicht zu mehr Krankheiten?“ Dabei spielen oft Erfahrungen aus der Vergangenheit eine Rolle, als größere Gruppen teilweise in schlecht belüfteten Ställen gehalten wurden. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass kleine, stabile Gruppen oder Paarhaltung, bei ausreichendem Platzangebot und einem guten Stallklima, mindestens ebenso gesund sind wie die Einzelhaltung. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Anzahl der Kälber pro Bucht, sondern in Hygiene, Klima und Management.

Eine weitere häufige Frage ist: „Lohnt sich die Investition in eine bessere Kälberhaltung überhaupt?“ Wer nur die Anschaffungskosten eines neuen Haltungssystems betrachtet, kann daran zweifeln. Berücksichtigt man jedoch, dass diese Investition zu geringerer Ausfallrate, weniger Antibiotikaeinsatz, weniger Arbeitsaufwand für kranke Tiere und später zu effizienteren Färsen mit höherer Milchleistung führen kann, verändert sich das Gesamtbild schnell.

Die ersten Vorteile zeigen sich oft bereits innerhalb eines Jahres in Form von besserem Wachstum und besserer Gesundheit der Kälber. Der größte Nutzen wird jedoch später im Kuhstall sichtbar – wenn die Milchleistung steigt und die Tiere länger leistungsfähig bleiben. Bei Topcalf verstehen wir Ihre Fragen und Bedenken rund um die Kälberaufzucht. Gemeinsam mit unseren Händlern schaffen wir eine optimale Lebensumgebung für Ihre Kälber – damit Ihre Kühe später besser leisten und länger gesund bleiben.

Kontaktieren Sie uns gerne für weitere Informationen.

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